10. Juni 2016

4# Führung durch St. Josephine "AM - Petra Teske"






Guten morgen meine Lieben :)

Und Herzlich Willkommen zum 4# Beitrag im AutorenMonat Juni 2016 mit Petra Teske inkl. tollem Gewinnspiel ♥ Ich freue mich, euch heute zu dieser ganz besonderen Führung begrüßen zu dürfen ;) Wir werden nämlich einen der Schauplätze aus Petras Büchern betreten. Das alte Internatsgelände von St. Josephine, das den Mittelpunkt des Geschehens in dem Buch „Die Geisterclique von St. Josephine“ bildet ♥
Ich wünsche euch gaaaanz viel Spaß :) ♥ 



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Ich hoffe ihr seid mit einer gehörigen Portion Mut gewappnet, denn man munkelt, dass es hier nicht so ganz mit rechten Dingen zugehen soll. *leise flüster* Wahrscheinlich liegt es daran, weil viele gar nicht so genau wissen, was St. Josephine eigentlich wirklich einmal war … Also dann, die Mutigen vor, und folgt mir auf das teilweise immer noch verfallene Gelände.




Der riesige Komplex, der komplett von einer hohen Mauer umgeben ist, bis auf das vordere Stück, welches am Gehweg entlang führt, wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Seit Jahren stehen die Gebäude des einstigen Internats leer. Da in den Sommerferien allerdings die Schule, auf die auch Ella ging (sie konntet ihr schon im 3# Beitrag etwas kennenlernen), abgebrannt ist, musste St. Josephine notdürftig für die Schüler wiederhergerichtet werden. Die Renovierungsarbeiten dauern aber noch immer an ...



Unsere Führung beginnt vor einem alten verwitterten Eisentor, durch das wir einen ersten Blick auf das Gelände werfen können. Ein Kiesweg führt auf einen offenen Platz, auf dem in der Mitte ein großer Kastanienbaum steht. Um den breiten Stamm sind Bänke gebaut, auf denen man durch den Schutz des Baumes ein schattiges Plätzchen finden kann. Langsam gehen wir genau diesen Weg entlang, die Sonne scheint, der Kies knirscht unter unseren Schuhen und bis auf das Rauschen der Blätter der großen Bäume ist alles ruhig. Wir sind ganz allein … jedenfalls macht es den Anschein, als sei es so ;)

Links sind einige Fahrradständer und rechts von uns befindet sich das Hauptgebäude. Wie Ella sagt, ist es nicht riesig, sondern gigantisch, wie es in seiner U-Form etliche Meter in die Länge und Breite geht und einige in die Höhe. Fünf Stockwerke umfasst der Haupttrakt, die Nebenflügel sind eine Etage niedriger. Die Rahmen der dunklen Holzfenster verlaufen in einem Bogen und bestechen durch erhabene Verzierungen. Über eine breite Steintreppe gelangt man zum Haupteingang, der extra überdacht ist und von Säulen gestützt wird. Einige Erker geben dem Erscheinen des Hauses mit der sandfarbenen Backsteinfassade einen verwinkelten Anblick. Doch bevor wir uns ins Innere dieses Gebäude wagen, werfen wir noch einen Blick auf die zwei anderen Häuser, die an diesen vorderen Pausenhof angrenzen.

Das Haus vor uns, mit dem zwei Türmchen an den Seiten und dem roten Dach, ist der ehemalige Speisesaal, der heute als Mensa für die Schüler dient. Dahinter gibt es einen weiteren Pausenhof. Dort verläuft ein hoher Bauzaun einmal quer über das Gelände und teilt es. Was sich alles dahinter verbirgt, kann man von hier aus nicht erkennen, da dichte Bäume den Blick versperren. Nur zwei weitere Gebäude, die dem Hauptgebäude ähneln, sind zu sehen. Das linke war das ehemalige Wohnheim für die Mädchen, das rechte für die Jungen. Wenn sich die Tannenwipfel durch den Wind etwas zur Seite biegen, ist ganz weit hinten die Spitze eines alten, verfallenen Dachs zu erkennen. Welche Funktion dieses Gebäude hatte ist ungewiss … Ein kühler Windzug streich über unsere Wangen hinweg. Eine innere Stimme drängt uns weiterzugehen und uns nicht weiteren Spekulationen über dieses Haus hinzugeben.

Wir gehen zum Hauptgebäude, die breite Steintreppe hinauf und betreten durch eine hölzerne Doppeltür die Eingangshalle. Ein muffiger Geruch vermischt sich mit dem frischer Farbe. Türen, Decken und Fenster sind mit allerlei Schnörkeln verziert, wie es in alten Villen oft üblich ist. Allerdings hat die altertümliche Eleganz nicht von den nur nötigsten Renovierungsarbeiten profitiert. Die Farbe blättert von den Wänden ab und der Stuck bröckelt. Man hatte nur die Wände ohne Holzvertäfelung gestrichen. Rechts führt eine gigantische Treppe mit geschwungenen Stufen und verziertem Gelände in die oberen Stockwerke. Wie wir sie so betrachten wird uns auf einmal ganz komisch. 

Ein Kribbeln erfasst unsere Körper und uns wird leicht schwindelig. Wieder ist dieser kalte Windhauch zu spüren und die Umgebung verschwimmt vor unseren Augen. Nur die Treppe hat noch klare Konturen. Plötzlich sind auf ihr kleine Kinder zu erkennen, die in weißen Nachthemden und nackten Füßen ganz langsam hintereinander weg die Stufen hinab schreiten. Eines von ihnen hebt sachte den Kopf und wir blicken in Leid erfüllte Augen. Vor Schreck treten wir ein Schritt zurück und die Vision löst sich auf.

Besser wir verlassen das Gebäude wieder. Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass nur Ella über eine übersinnliche Begabung verfügt. Auf meinem Plan stand zwar noch der Keller, aber unter diesen Umständen, werden wir den lieber nicht mehr aufsuchen. Zumal da auch die Gefahr besteht, dem Hausmeister über den Weg zu laufen. Und glaubt mir, dem will keiner freiwillig begegnen. Herr Garboni ist … wie soll ich sagen … etwas Affektlocker.

Aber gerne zeige ich euch den Speisesaal. In ihm spiegelt sich noch der Glanz des 18. Jahrhunderts und ist wunderbar anzusehen. Stolz drückte ich die Klinke herunter, um die Tür zu öffnen, doch sie ist verschlossen. Ähm … ruckel … zu. Also, das ist mir jetzt unsagbar peinlich. Ich kann mir das gar nicht erklären, eigentlich war es mit dem Direktor Herrn Betram besprochen, dass wir uns den Speisesaal anschauen dürfen. Dann bleibt uns wohl nur noch die Turnhalle (Schluck).

Nein, eigentlich ist sie ziemlich unspektakulär und uns wird dort sicher keine Überraschung erwarten. Sie befindet sich direkt neben dem Speisesaal. Die Tür lässt sich öffnen und wir treten in einen kleinen Vorraum, von dem drei weitere Türen abzweigen. Eine führt geradeaus, an der linken ist ein Schild befestigt, auf dem in altdeutscher Schrift „Mädchen“ steht. Durch diese gehen wir hindurch und gelangen in eine Umkleidekabine. Der Raum sieht leider wenig einladend aus. Dunkel Holzbänke, beige gekachelte Wände und schmale vergitterte Fenster. In der Luft liegt der Geruch von Kernseife. Offensichtlich wurde hier vor kurzem saubergemacht. Es gibt noch zwei weitere Türen, eine führt direkt in die Sporthalle, die andere in die Duschen. 
Oh gott ... Hört ihr das? Da ist plötzlich eso in Kratzen, so als ratsche jemand mit den Fingernägeln über die Oberfläche. „Bitte hilf mir“, ist das Flüstern einer Kinderstimme zu hören. Es wird eisig kalt. Wieder ertönt das Wispern eines kleine Mädchens. „Hilf mir, bitte.“

Das reicht jetzt. Bloß schnell wieder raus hier. Eilig verlassen wir die Turnhalle, doch das Kältegefühl hält an und als wir nach draußen auf den vorderen Pausenhof treten, sehen wir zwei Nonnen in hellgrauer Tracht mit weißer Schürze und Haube Richtung Bauzaun gehen. „Schwester Ludmila“, kommt es mir mit Entsetzen über die Lippen, dann kann Frau … (den Namen traue ich mir nicht einmal zu denken), auch nicht weit sein. Zu unserer eigenen Sicherheit sollten wir das Gelände jetzt lieber verlassen. Es wäre wohl besser, ihr helft Ella erst dabei, das Geheimnis von St. Josephine zu lüften und wir machen dann noch mal eine Führung.


Anmerkung der Autorin zum Entstehen dieses Schauplatzes

Bei meiner Recherchearbeit zum Dritten Reich bin ich tief in die Materie eingedrungen und dabei stößt man dann irgendwann zwangsläufig auf die Dinge, die in St. Josephine passieren. St. Josephine selbst ist frei aus meiner Fantasie heraus entstanden. Ich habe mich dabei an keinem „wirklichen“ Ort orientiert, zumal ich zu dem Zeitpunkt nicht einmal wusste, dass es genau solche Art von Geländen tatsächlich gibt. Eine Leserin berichtete mir, dass sie als Kind neben einem solchen verlassenen „Internatskomplex“ gewohnt hatte, den die Nazis dann für sich nutzten. Das war ein ganz schöner Schlag für mich, als ich merkte, dass meine Fantasie tatsächlich „wahr“ ist und dass es solche Orte, in der ein oder anderen Form tatsächlich in ganz Deutschland gibt.




Das Gewinnspiel zum AutorenMonat :)


Beantworte folgende Frage um weitere Lose für diese Preise zu sammeln 

Die Führung war ja diesmal schon etwas ganz anderes :) Wie hat sie euch gefallen? Schreckt der doch eher lange Text etwas ab? Oder fandet ihr es ebenso interessant wie ich selbst? War es zu oberflächlich oder zu tief in die Materie gegriffen? Ich möchte eure Meinung hören :)





Ein zweites Los bekommt, wer diesen Beitrag öffentlich teilt. Nachgewiesen muss dies nur per Link mit im Kommentar :) Dies zählt für jeden Beitrag im AutorenMonat. Genauere Infos über das Losverfahren sowie die allgemeinen Teilnahmebedingungen sind *hier* im unteren Abschnitt zu finden :) 
  
Am Montag begeben wir uns im wahrsten Sinne auf eine Reise in die Vergangenheit. Nämlich in die, der damaligen Jugend. Wie war das Leben für jugendliche zu Hitlers Zeiten? Ich bin schon sehr gespannt, und würde mich freuen, wenn ihr dann auch wieder mit dabei seid :) ♥ Bis dahin ...
*winke winke* Eure Lina




Kommentare:

  1. Guten Morgen Lina :-) Und erneut mein Glück bzw. weiter für die Printausgabe versuche. :-)
    Also am Frühen Morgen muss ich ehrlich zugeben war mir das nen bissel Zuviel text aber doch lesenwert! Weis nicht vielleicht bin ich eben auch einfach heute nur noch nicht richtig munter ;-)
    LG Jenny
    jspatchouly@gmail.com

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  2. Hallo,

    also ich fand die Führung spannend und von der Textlänge her genau richtig. :)

    LG
    SaBine

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  3. Wow Lina, das ist ja ein phantastischer Beitrag!!

    Dank der Bildes und der Beschreibungen kann ich mir St. Josephine so richtig vorstellen. Ich hatte bei dem Text dann auch noch das Gefühl, wirklich dort zu sein und mir lief ein kalter Schauer über den Rücken...

    LG
    Jens "Der Lesefuchs"

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  4. Also ich fand es nicht uninteressant. Bisschen viel Text aber sonst sehr gut ( wenn man gerne liest ist das super)

    LG Pitti Kö

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  5. Hallo,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag. ich finde die Führung echt toll gemacht und genau richtig!

    Lg Bonnie

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  6. Hallo liebe Lina,

    vielen Dank für diese interessante Führung! Ich fand sie genau richtig - nicht zu lang, nicht zu oberflächlich, sondern sehr informativ und mit vielen wissenswerten Dingen.

    Viele liebe Grüße
    Katja

    kavo0003[at]web.de

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