7. Oktober 2016

[AutorenProjekt - Eine Fantasyreise ins Unbekannte + Gewinnspiel] 5# Leseprobe




Hällochen liebe WeltenTräumer :)

Angekommen beim 5# Tag der Fantasyreise ins Unbekannte, bekommte ihr heute wahrscheinlich den besten Endruck, des noch unbekannten Buches ;) Denn nun dürft ihr das komplette erste Kapitel des ersten Bandes lesen :) Den Titel dazu verrate ich euch aber selbstverständlich nicht ;) Denn diese überraschung heben wir uns dann für morgen auf, wenn ich auch die Autorin hinter dem ganzen kennenlernen dürft :) <3

Hier noch der kleine Hinweis - falls noch jemand zu dieser Aktion dazu gestoßen ist und noch nicht weiß, worum es in diesem AutorenProjekt geht, darf sich gerne erst den 1# Beitrag ansehen, um sich einen kleinen Überblick zu verschaffen ♥ Und auch die Lose der vorangegangen 4 Beiträge dürfen noch gesammelt werden ;)





☆ Leseprobe ☆
 
Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. Copyright liegt bei der Autorin. Nähere Copyrightangaben gibt es nach der Auflösung im letzten Beitrag auf Lina's BücherTraumWelt.

 


Kapitel eins

Ich kam langsam zu mir und war völlig desorientiert. Meine Lippen formten die Worte, die in meinem Kopf entstanden. Das war schwer genug und ich hatte nicht die Energie, darüber nachzudenken, was ich sagte oder wie es sich anhörte. Heraus kam ein krächzendes: »Wo bin ich?«
  Meine Eltern schauten mich mit sorgenvollen Mienen und Tränen in den Augen an. Ich lag in einem Bett, das nicht meins war. Das Zimmer, in dem ich mich befand, war weiß gestrichen und spartanisch eingerichtet. Ich sah alles nur undeutlich und mein Kopf schmerzte dumpf.
  »Alice«, flüsterte meine Mutter. Weitere aufgeregte Worte folgten, die ich nicht verstehen konnte. Als ich auf ihre Hand hinunterblickte, die meine umschloss, sah ich Schläuche an meinem Handgelenk. Alles um mich herum wurde noch verschwommener. Wieder sagte meine Mutter etwas, diesmal mit Nachdruck. Dann schwand mein Bewusstsein. Erschöpft ließ ich mich gerne von der Dunkelheit übermannen und versank in einen traumlosen Schlaf.
  Als ich wieder aufwachte, konnte ich klarer sehen. Meine Eltern und ein Mann im weißen Kittel schauten auf mich herunter. Der dumpfe Schmerz in meinem Kopf war zu einem leichten Pochen mutiert und meinem Verstand gelang es nun, Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, wo ich war.
  »Was ist passiert?«, rief ich panisch.
  Meine Mutter schüttelte den Kopf und fing an zu weinen. Mein Vater wandte sich dem Arzt zu und sprach mit gerunzelter Stirn. Der Arzt schaute mich mit ernsten Augen an, sagte auch etwas in der fremden Sprache und deutete auf seine Lippen.
  »Ich höre Sie gut«, rief ich laut, als ob er der Schwerhörige wäre. Und dann leiser, frustrierter: »Ich verstehe einfach nicht, was Sie sagen.«  Wir starrten uns alle schweigend an. Obwohl ich die Worte nicht verstehen konnte, so gelang es mir doch, in den Augen des Arztes und meiner Eltern die verschiedenen Emotionen zu lesen. Besorgnis, Verwirrung … Angst. Doch Angst vor was – vor mir? So kam es mir einen flüchtigen Augenblick lang vor. Ich warf den Kopf auf dem Kissen hin und her, als ob ich so abschütteln könnte, was sich anscheinend wie Spinnenweben um meinen Verstand gelegt hatte.
  Der Arzt redete in beruhigendem Ton auf meine Eltern ein und begleitete sie aus dem Zimmer. Ich schaute ihnen hilflos nach, dann richtete ich mich auf und bewegte meine Gliedmaßen. Nichts tat wirklich weh, abgesehen von meinem Kopf und dem rechten Oberschenkel, der sich wund anfühlte. Ich wollte hier nicht bleiben, ahnungslos, was mit mir geschah, nicht wissend, wo meine Eltern hingegangen waren. Ich wollte nach Hause, in meinem Bett schlafen, und dann zu der Vertrautheit eines gemeinsamen Frühstücks mit meiner Familie wieder aufwachen, wo diese Episode mit einer einfachen Erklärung lachend als schlechter Traum abgetan wurde.

  Als ich gerade meine zittrigen Beine über den Rand des Bettes manövriert hatte, kam eine Krankenschwester in mein Zimmer. Sie redete auf mich ein, und ich schaute sie nur fragend an, begriff aber schließlich, dass sie mir dabei behilflich sein wollte, mich in den Rollstuhl zu setzen. In den folgenden Stunden sah ich meine Eltern nicht, sondern ließ etliche Untersuchungen über mich ergehen. Man schob mich in eine Röhre, die ich schon einmal im Fernsehen gesehen hatte, und ich daher eine vage Ahnung hatte, dass dieses Gerät Aufnahmen von meinem Gehirn machte. Immer wieder versuchten Ärzte und Krankenschwestern sich verständlich zu machen, indem sie langsam sprachen und ihre Worte mit Handgesten unterstrichen. Die Verwirrung, welche die fremde Sprache in meinem Hirn auslöste, war einfach zu groß. Ich musste immer wieder an die Redewendung »im falschen Film« denken, denn genauso kam ich mir vor. Nur hatte jemand vergessen, die Untertitel anzuschalten. Bei dem absurden Gedanken fing ich laut an zu kichern. Die Krankenschwester, die mir gerade dabei half, mich wieder anzuziehen, warf mir einen komischen Blick zu. Schnell legte ich die Hand auf den Mund. Oh Gott, vielleicht war ich dabei, den Verstand zu verlieren. Ich gewann wieder Kontrolle über mich, doch sofort fing mein Kopf stärker an zu schmerzen. Der Schmerz wurde immer schlimmer, je mehr ich Krankenschwestern und Ärzten angestrengt lauschte, versuchte ihre Lippen zu lesen, und immer frustrierter mit dem Kopf schütteln musste, also begann ich die Stimmen auszublenden. Während ich die Untersuchungen wie eine Puppe über mich ergehen ließ, versuchte ich mich daran zu erinnern, wieso ich hier war und was geschehen war. Als ich von Raum zu Raum geschoben wurde, erkannte ich das Krankenhaus wieder, in dem ich auch geboren wurde. Vor ein paar Jahren hatten wir hier meine Oma nach ihrem ersten Schlaganfall besucht und gerade erst vor ein paar Monaten mussten wir meine Mutter in die Notaufnahme bringen, weil sie sich beim Brotschneiden beinahe die Fingerkuppe abgeschnitten hatte.
  Das Letzte, woran ich mich erinnerte, war die große Erleichterung darüber, dass ich meine letzte Abiturklausur gerade hinter mich gebracht hatte. Lisa, Melinda und ich waren total aufgekratzt und sind aus dem Schulgebäude gerannt wie die kleinen Kinder.  Ich hielt mich an der Erinnerung fest wie an einem Anker. Wann war das gewesen? Es kam mir wie gestern vor, doch wie lange lag ich wohl schon im Krankenhaus? Angesichts der Gedächtnislücke überkam mich die Panik und ich spürte, wie es schwieriger wurde, Luft in meine Lungen zu bekommen. Also schloss ich die Augen und versetzte mich wieder in diesen glücklichen Moment zurück. Nachdem ich ein paarmal tief ein- und ausgeatmet hatte, spielte sich tatsächlich vor meinem inneren Auge ab, was als Nächstes passiert war. 
  Wir wollten zum Supermarkt um die Ecke gehen, eine Flasche Sekt kaufen, uns in den Park setzen und darauf anstoßen, dass der Abi-Stress endlich vorbei war. Schnell rannten wir über die Straße, um zum Supermarkt zu gelangen. Dann: quietschende Reifen. Ein Schrei. Wer war das? Lisa, Melinda? Oder ich? Ich konnte im Kopf die Geräusche hören, doch die Richtung nicht orten. Alles geriet auf einmal durcheinander, als ob ich in einem Wirbelsturm gefangen wäre, der sich immer schneller um mich herum drehte, bis undurchdringliche, undifferenzierte Dunkelheit mich übermannte. Es wurde erst wieder Licht, als ich in meinem Krankenhausbett aufwachte.
  Ich riss erschrocken die Augen auf, beim Gedanken daran, wie viel Zeit wohl wirklich dazwischen vergangen sein mochte. Ich schaute mich um, während mich eine Krankenschwester durch den Flur schob. Am Ende des Korridors konnte ich das Zeichen für die Toiletten sehen. Ich zeigte darauf und machte der jungen Schwester, die ein sonniges Gemüt zu haben schien und durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, deutlich, dass ich dorthin wollte. Sie half mir mit dem Rollstuhl in die Behindertentoilette und ich gab ihr zu verstehen, dass ich ohne ihre Hilfe klarkam. Als sie die Tür hinter sich zufallen ließ, beugte ich mich näher zum Spiegel, der sich auf Augenhöhe befand. Ich konnte spüren, wie Erleichterung in Wellen über meinen Körper rollte, als ich mein Gesicht im Spiegel wiedererkannte. Es war etwas blasser, etwas abgezehrter vielleicht, aber doch immer noch dasselbe Gesicht, das mich auch in meiner Erinnerung im Spiegel zurück angeschaut hat. Meine glatten dunkelbraunen Haare waren zu derselben schulterlangen Frisur geschnitten, die ich mir ein paar Wochen vor dem Abi zugelegt hatte. Blaugrüne Augen, eine kurze, gerade Nase, ein kleiner Mund mit vollen Lippen. Ich war noch immer ich, Alice Lohmann, achtzehn Jahre, Fast-Abiturientin. Zumindest sah ich so aus. Ich führte meine Hand zum Gesicht und tastete es ab, erleichtert, warme Haut zu spüren und noch erleichterter, als mein Spiegelbild es mir nachtat. Ich konnte beobachten, wie mir eine Träne aus dem rechten Auge lief und spürte dann, wie sie auf meine Hand tropfte, die ich immer noch an die Wange hielt.
  Es kam mir nun alles etwas weniger unwirklich vor. Aber wieso nur konnte ich mich mit niemandem verständigen? Meine Gedanken übersetzen sich mühelos in Sprache, meine Lippen formten die Worte, ich konnte alle akustisch verstehen … Ich stoppte mich selbst, als ich merkte, wie meine Überlegungen sich im Kreis drehten und das Pochen in meinem Kopf wieder lauter wurde. Ich versuchte, mich mit handfesten Tatsachen zu beruhigen und untersuchte meinen Oberschenkel, der leicht schmerzte. Die Hautabschürfungen an der Seite waren mit dunklem Schorf verkrustet, der an manchen Stellen schon abgefallen war und neue rosa glänzende Haut zeigte. Ich atmete etwas befreiter ein und aus – lange konnte es nicht her sein, dass ich den Unfall gehabt hatte.
  Als ich wieder aus der Toilette kam, wartete die Krankenschwester geduldig auf mich. Sie schob mich etwas weiter und stellte mich dann allein in einem Korridor ab, sagte etwas, das ich – natürlich – nicht verstand, und verschwand dann um die Ecke. Ein paar Minuten vergingen und sie kam nicht wieder. Jetzt wurde ich langsam wütend. Ich wollte wissen, was mit mir geschehen war. Das Gefühl der Ohnmacht stieg in mir hoch, je mehr ich über meine letzten Erinnerungen nachdachte und desto unverständlicher mir mein »Sprachproblem« erschien. Ich wollte einfach nur, dass mir jemand meine Situation erklärte, wie auch immer wir uns verständigen würden. Stattdessen ließ man mich hier allein. Heiße Wuttränen stiegen
in mir hoch und sammelten sich in meinen Augen. Gerade als ich meine Eltern um die Ecke biegen und auf mich zukommen sah, gerade als ich im Begriff war, auf sie zuzustolpern, mich in ihre Arme zu werfen und sie lautstark anzuflehen, mir doch zu helfen, gerade in dem Moment drang ein Gesprächsfetzen zu mir durch.
  »… Sie bitten, etwas vorsichtig …«
  In meinem Kopf machte es klick. Ich sprang auf und taumelte in die Richtung, aus der die Worte kamen. Mit wackligen Beinen tastete ich mich, so schnell ich konnte, an der Wand entlang. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie meine Eltern ihre Schritte beschleunigten und mir etwas zuriefen. Ich verstand sie immer noch nicht. Aber ich hörte eine männliche Stimme, die ich auf keinen Fall verlieren durfte, gleich hier um die Ecke sagen: »… reisen können Sie leider noch nicht.«
  Die Stimme hatte einen ganz anderen Klang als die in meinem Kopf, und doch verstand ich sie. Mir wurde heiß. Jetzt sah ich einen Arzt, der mit einem alten Mann im Bademantel redete. In meiner Aufregung stürzte ich vornüber und wäre hingefallen, wenn mich der Arzt nicht aufgefangen hätte. Er redete auf mich ein, wieder in der Sprache, die ich nicht verstand. Dem älteren Mann, offensichtlich ein Patient, entfuhr es jedoch: »Junge Frau!« Mir wurde bewusst, dass diese seine Sprache nicht meine Muttersprache war, sondern eine Sprache, die ich vor längerer Zeit gelernte hatte und gut verstehen konnte. Die Synapsen in meinem Gehirn knüpften eine weitere Verbindung, während ich mich aufrichtete. Englisch! Der Mann sprach nicht Deutsch, sondern Englisch. Ich kramte hektisch in meinem Gedächtnis herum und formte die Worte, die mir in den Sinn kamen, mit meinem Mund. Erst schien es schwierig, doch dann wurde es immer leichter.
  »Bitte helfen Sie mir«, sagte ich auf Englisch. »Mich versteht keiner. Ich muss wissen, was los ist, bitte!« Mittlerweile hatten meine Eltern zu uns aufgeschlossen, hielten mich bei den Armen und redeten mir zu. »Nein, ich verstehe doch nicht«, rief ich aufgeregt und wandte mich an Arzt und Patienten. »Ich verstehe keinen, aber Sie beide verstehe ich. Bitte, bitte, so helfen Sie mir doch.« Mir liefen die Tränen über das Gesicht.
  Der alte Mann schaute mich verwirrt an.
  »Bitte entschuldigen Sie«, sagte der Arzt zu ihm. »Ich komme später noch mal zu Ihnen, wenn das in Ordnung ist.«
  »Ja, kümmern Sie sich doch erst mal um die junge Dame, die ist ja ganz außer sich«, murmelte dieser bestürzt.
  Jetzt war auch der Arzt zu uns gestoßen, der bei mir gewesen war, als ich im Krankenbett aufgewacht war. Die Ärzte tauschten sich aus, während meine Mutter mich in den Arm nahm und mir über das Haar streichelte. Ich lehnte mich gegen sie, denn das Stehen strengte mich an und ich war völlig erschöpft.
  »Setzen wir uns doch erst mal«, sagte der Arzt, der Englisch sprach, zu mir. »Mein Name ist Doktor Moor. Das ist Doktor Brandt.« Er deutete auf eine nahe Sitzgruppe. Wir nahmen Platz und ich verwendete nun all meine Energie darauf, jetzt kommunizieren zu können.
  »Bitte, bitte, sagen Sie mir doch, was mit mir passiert ist!«, unterbrach ich die Ärzte ungeduldig, die wohl weiter Informationen austauschten.
  Doktor Brandt erklärte mir in gebrochenem Englisch, dass ich drei Wochen lang im Koma lag, nachdem ich einen Verkehrsunfall überlebt hatte.
  »Aber warum kann mich niemand verstehen?«
  Die beiden Ärzte wechselten einen langen, unmissverständlichen Blick. Jetzt fing meine Mutter an zu weinen und mein Vater nahm ihre Hand.
  »Anscheinend verstehen und sprechen Sie kein Deutsch mehr«, antwortete Dr. Moor. »Doktor Brandt sagt mir, dass Sie, seit Sie aufgewacht sind, eine Sprache sprechen, die keiner verstehen oder gar zuordnen kann. Ein Kauderwelsch, womöglich. Man nahm an, durch den Unfall hätten Sie eine Kopfverletzung erlitten, die das Sprachzentrum in Ihrem Gehirn beeinträchtigte. Doch jetzt sind wir überrascht, denn Englisch scheinen Sie gut zu verstehen und zu sprechen. Erklären Sie uns doch bitte, wie Sie sich dabei fühlen, wenn Sie Deutsch sprechen wollen.«
  »Es ist schwer zu erklären«, sagte ich und musste mich sehr anstrengen, um das Wirrwarr in meinem Kopf zu analysieren und den anderen verständlich zu machen. »Ich dachte, dass ich Deutsch spreche. Zumindest bis ich merkte, dass mich niemand versteht … Und jetzt, wo ich Englisch spreche, da wird mir bewusst, ich dachte bloß, es wäre Deutsch, weil ich nicht über die Worte nachgedacht habe. Sie kamen sozusagen ungefiltert, wie … wie meine Muttersprache. Wenn ich jetzt bewusst deutsche Worte formulieren soll, dann ist mein Verstand blank. Die deutschen Wörter wollen mir nicht einfallen. Kein Wunder, denn ich kann euch, die ihr Deutsch sprecht, auch nicht verstehen. Wenn ich diese Sprache spreche, hingegen …«, und nun fing ich an, in der Sprache zu sprechen, die mir ganz natürlich über die Lippen kam, »dann fühlt es sich einfach ganz normal an, ich muss nicht darüber nachdenken.« Ich wiederholte den letzten Satz auf Englisch, und fügte verzweifelt an: »Ich kann aber nicht definieren, welche Sprache es ist.«
  Dr. Moor hatte auf einmal ein paar hektische kreisrunde rote Flecken auf den Wangen. »Ich bin mir fast sicher, das ist wirklich kein Kauderwelsch, sondern eine Sprache, und ich glaub, ich weiß auch welche, aber das würde mich doch sehr wundern …« Er legte seine Stirn in Falten. »Bitte entschuldigen Sie mich doch kurz«, sagte er schließlich und stand auf. »Ich versuche, einen Bekannten zu erreichen, der uns vielleicht helfen kann.«
  Dr. Brandt sagte etwas zu Dr. Moor. Dieser nickte und ging den Korridor hinunter, während er sein Handy aus der Tasche zog.
  Dr. Brandt schaute auf einige Dokumente, die er in der Hand hielt. Ich nahm an, dass es sich dabei um meine Krankenakte handelte.
  »Alice, es gibt keine körperliche Ursache, die wir für diese … hmm … Sache verantwortlich machen können. Wir würden Sie gerne noch für einen Tag zur Beobachtung hierbehalten, und sicherstellen, dass Sie wieder ganz zu Kräften kommen, aber abgesehen davon … geht es Ihnen rein körperlich gut.« Er sagte etwas zu meinen Eltern, und ich nahm an, dass er dasselbe auf Deutsch für sie wiederholte. Dr. Brandt mochte einige Fachausdrücke auf Englisch mehr können als sie – seine Aussprache war miserabel
–, aber meine Eltern hatten ihn bestimmt genauso gut verstanden wie ich. Sie sagten nichts, doch ich musste mich zurückhalten, ihm vor lauter Ungeduld nicht ins Wort zu fallen. Meine Eltern nickten eifrig, sichtlich erleichtert, dass es mir gut genug ging, um bald nach Hause zu kommen.
  »Ich möchte keine Vermutungen anstellen, bevor wir Untersuchungsergebnisse haben, die etwas aufschlussreicher sind, aber ich habe schon von Fällen gehört, wo Kopftrauma- oder Schlaganfallpatienten plötzlich eine andere Sprache sprechen«, fuhr Dr. Brandt fort, nachdem mein Vater ihm versichert hatte, dass sie sein Englisch verstanden. »Man nennt das Aphasie. Es handelt sich jedoch meist um eine Sprache, die der Patient in der Kindheit gesprochen hat, oder zumindest eine Sprache, die der Patient durch Großeltern, andere Verwandte oder Bekannte sozusagen miterlebt und unbewusst gelernt hat.«
  Meine Eltern schauten mich verwirrt an. Ich war mein ganzes Leben hier in Deutschland, hier in dieser Stadt gewesen, von ein paar Ferienreisen und einem Schulaustausch mal abgesehen. Ich hatte Englisch und Französisch in der Schule gelernt, aber sonst … meine Eltern und Großeltern waren deutsche Muttersprachler. Wann hätte ich eine andere Sprache lernen sollen – bewusst oder unbewusst?
  Bevor wir uns weiter damit beschäftigen konnten, wurden wir von Dr. Moor unterbrochen, der eiligen Schrittes auf uns zukam, das Handy in der Hand. »Ich habe hier einen Bekannten am Apparat«, rief er uns aufgeregt zu. »Ich möchte gerne, dass Sie mit ihm auf … also, in der Sprache sprechen, die Ihnen natürlich über die Lippen kommt.«
  Ich nahm das Telefon in die Hand. »Guten Tag«, sagte ich ohne nachzudenken. »Mein Name ist Alice. Mit wem spreche ich, bitte?«, fügte ich etwas zögerlicher hinzu, da mir nicht einfiel, was ich sonst zu meinem unbekannten Gesprächspartner sagen sollte. Eine kleine Pause entstand.  »Guten Tag, hier spricht Professor Heany«, antwortete mir eine männliche Stimme in meiner Sprache. Mit starkem Akzent und sehr gebrochen zwar, aber zweifelsohne in meiner Sprache! Ich jauchzte innerlich. Ein warmes Gefühl breitete sich in mir aus, der Gegenpol zu dieser befremdlichen, beklemmenden Situation, in der ich mich seit dem Aufwachen befunden hatte. Es fühlte sich an wie … wie zu Hause. Das kann nicht sein, dachte ich mir, du irrst. Doch das Bauchgefühl blieb. Ich fing an, drauflos zu plaudern. »Woher kommen Sie, wo befinden Sie sich gerade?«
  »Einen Moment, bitte, ich spreche nicht so gut«, sagte Professor Heany radebrechend und fuhr dann auf Englisch fort: »Bitte geben Sie mir doch wieder Doktor Moor, Alice.«
  Enttäuscht überreichte ich das Handy wieder Doktor Moor. Dieser sprach kurz mit Professor Heany.
  »Alles, klar, wir telefonieren später wieder, nachdem ich das hier besprochen habe«, beendete er das Gespräch und legte auf. Er schaute in unsere fragenden Gesichter und schwieg einen Moment. Dann sagte er: »Alice spricht fließend Irisch.«





☆ GEWINNSPIEL ☆

Beantworte folgende Frage und schon bist du im Lostopf
 
Mich interessiert euer Eindruck dieser Leseprobe :) Die kreativen unter euch, dürfen auch gerne ihre Ideen zum weiteren Verlauf schildern :)

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Hier findet ihr die allg. Teilnahmebedingungen für Gewinnspiele auf meinem Blog...
Der Lostopf wird am Samstag um 23:59 Uhr geschlossen.

Wichtiger Hinweis: Wenn ihr eine Ahnung habt, um welche Autorin und welche Bücher es sich hier handelt, schreibt das NICHT als Kommentar, sondern kontaktiert die Autorin (Kontaktinfo auf ihrer Website). Alle, die bis Freitag dem 07.10 um 22.00 Uhr die Autorin kontaktiert haben, bekommen einen kleinen Sonderpreis.

Viel Glück ♥ Eure Lina
 
 
 
 

Kommentare:

  1. Guten Morgen, Lina.
    Ich finde diese Leseprobe erstmal etwas verwirrend, aber in positiver Art, und es macht mich neugierig auf das Buch. Bin echt schon gespannt, was und von wem es ist.

    Liebe Grüße,
    Melanie



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  2. Guten Morgen^^

    Die Leseprobe ist super spannend.Also vorher gelesen habe ich es noch nicht.
    Und ich weiß auch immer noch nicht,von wem es sein könnte.Bin schon richtig neugierig.^^

    LG Fatma

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  3. Huhu Lina,
    Ich finde, es klingt sehr spannend. Irisch - das klingt auf jeden Fall nach magischen Gegebenheiten :P da kann alles noch passieren <3 und ich möchte sehr sehr gern wissen, welches Buch das ist xP ich möchte es haaaaben hihi :)
    Ich finde es interessant, dass sie auf der Station aufwacht und kein Wort Deutsch mehr kann, schön wie es beschrieben ist mit den Ärzten - ja ich denke, es ist nicht ganz unrealistisch bis hier :) nimmt mich sehr Wunder und ich hoffe doch, dass sie jetzt nach Irland und die Ferien gehen xD
    Liebe Grüße
    Jaschka(Weltbuntmalende Bücher)

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  4. Liebe Lina,
    die Leseprobe hat auf jeden Fall meine Neugier geweckt <3
    Ich bin sehr gespannt welcher Autor mit welchen Büchern dahinter steckt. Am liebsten würde ich gleich weiter lesen ;)
    Liebe Grüße,
    Sandy

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  5. Hallo Lina,
    die Leseprobe gefällt mir sehr gut, aber leider ist sie viel zu kurz. :D Natürlich hast du mich jetzt neugierig gemacht, weshalb Alice auf einmal perfekt irisch spricht und sogar ihre eigene Muttersprache nicht mehr beherrscht.

    Liebe Grüße
    Petra

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  6. Hallo, bindest heute zum Beitrag von gestern gekommen...interessante Leserbrief. ..Ich glaube das ist ein Buch für mich ��
    LG Kirsten

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